Die rechte und wahre Arznei und welche Elementargeister uns beeinflussen

Da die Signaturenlehre natürlich u. a. dazu dient, die passende Heilmethode und das passende Mittel respektive „Medizin“ zu finden, habe ich zur allgemeinen Einleitung einen interessanten Text gefunden und in die heutige Ausdrucksweise gesetzt, möglichst ohne die Eigentümlichkeit des Originals allzu sehr zu „entzaubern“. Er erklärt auch, warum die Signaturenlehre – hier gweissermaßen als hermetisches Gesetz „wie oben so unten“ erläutert, so wichtig ist.
Passend zu Helloween gibt es eine Aufführung der den Elementen zugehörigen Geister.

Aus der »Basilica chymica, oder Alchym. Königl. Kleynod«
von Oswald Croll

zum Thema: Die rechte und wahre Arznei

»[…] Der Medicus aber soll aus dem Licht der Galaxie (?) und Natur geboren werden/von einem innerlichen und unsichtbaren Menschen/ einem innerlichen Engel / und Licht der Natur/ welche wie ein rechter und wahrer Doktor den Menschen unterrichtet. Gleich wie der heilige Geist die Apostel mit feurigen Zungen begabt. Sie wird aber durch die Übung bestätigt und an das Licht gebracht und beruht nicht auf Menschlichem/ sondern allein in Gottes Unterrichtung und der Natur .- Dann sie ist nicht auf Menschengedicht gegründet, sondern auf die Natur/ welche Gott den Geschöpfen und sonderlich den vollkommenen Metallen mit seinem heiligen Finger eingedruckt : Und ist demnach Gott der Allmächtige selbst ihr rechtes und wahres Fundament.

Derowegen die rechte und wahre Arznei anders nichts/ als eine erschaffene und leibliche Barmherzigkeit, nicht die akademischen Bücher/ sondern in unsichtbarer Barmherzigkeit Gottes und dessen Geschenk ist. Diese natürliche Arznei wird in der Medizin genannt: Die Medizin von Herzigkeit / die dem armen notleidenden sterblichen Mensch, von Gott dem Himmlischen Vater gegeben/ damit der Kranke die große Barmherzigkeit und Hilfe gegen ihn augenscheinlich sehend vernehme/ und Gott in seinen Wunderwerken preist.

Diese wahre Medizin und Kern der Natur aber beruht in dem Vitalischen Schwefel/ als in dem Schatz der ganzen Natur/ und wird in dem Balsam der Vegetabilien/ Mineralien und Animalien oder Tieren fundiert/ welchem wir die Geschäfte in der Natur zuschreiben: Dann allein durch die selbige Kraft alle eure und eines jeden Schwachheiten können vollendet werden/ wann sie nämlich … in gebührlicher Weise präpariert/von allem Unrat gereinigt und der geschwächten Menschlichen Natur von einem frommen und gelehrten Medico recht angewendet wird. Dieser Medizin Fundament und Grund ist/wie viel die kleine Welt/das ist/der Mensch mit der großen und äußerlichen Übereinstimmung / wie wir durch die Astronomia vnd Philosophia welche die beide Globen, nämlich den oberen und untersten erklären/genugsam werden unterwiesen.

Dann was in dem Menschen unsichtbar verborgen liegt/ das wird in der sichtbaren Anatomia ganzen Universums offenbart: Dieweil die kleine Natur der kleinen Welt unsichtbar und unbegreiflich ist: Und wird demnach in der sichtbaren und begreiflichen Anatomie, der großen als dem Vater oder Gebärer alles offenbart. Die Eltern des Menschen sind Himmel und Erden / aus welchen der Mensch zum allerletzten erschaffen: Und wer diese Eltern kennt und anatomiert/ der hat die wahre Wissenschaft des Sohns / nämlich des Menschen / als der aller vollkommensten Kreatur in allen seinen Proprietäten oder Eigenschaften erlangt / dieweil in ihm/ als dem centro alle Dinge des ganzen oder allgemeinen Wesens gleichsam zusammen fließen. Und diese Anatomia in seiner Natur ist die Natur des ganzen Universums.
Die äußerliche Welt ist die Figur des Menschen, der Mensch aber ist die verborgene Welt/ in der alle sichtbaren Dinge verborgen/ unsichtbar sind/ und wenn solche sichtbar werden/ so sind es Krankheiten und keine Gesundheit/ zumal es die kleine und nicht große Welt ist.
Und dieses ist die wahre Erkenntnis/ das nämlich der Mensch mikrokosmisch sichtbar und unsichtbar oder magice werde erkannt.
[…] Demnach präfigurieren und stellen alle äußerlichen natürlichen /göttlichen Elemente den ganzen Menschen/ aus denen er erkennen wird die kleine Welt.
und in den vier Elementen ist eine Anatomia, ein Wesen/ eine Materia und außer der Form kein Unterscheid.
Also sind in der Natur allerdings das Feuer/ Luft und irdische Wasser: wiederum das Wasser und himmlische Erden: In gleichem das irdische/ feuermäßige und luftige Wasser – und endlich das luftmäßige Feuer. Das luftmäßige Wasser und luftmäßige Erde: Also auch vier Geschlechter des Mercuri und vier Geschlechter der Metalle/ viererlei Schnee / viererlei Amethyst und Perlen oder Edelgestein/ und also eines jeden Vier: Eines in dem Firmament oder himmlischen Element; das andere in der Luft. Ein jedes Element verrichtet seine Gewalt und Geschäft in allen vier Elementen.

Dann nach des Theophrasti (Paracelsus, Anm. Autor) Zeugnis ist Gott in seinen in seinen unsichtbaren Geschöpfen viel wunderbarer/ als in den sichtbaren / als der in allen vier Elementen das Vakuum oder die Leere zu vermeiden/ lebendige und andere Kreaturen ohne Leben erschaffen (verstehe ohne verständlich Leben ) nämlich die viererlei Inwohner der Elementen/von den nach Gottes Ebenbild erschaffenen Menschen/an Verstand/ Weisheit und Künsten / Geschäften und Wohnungen unterscheiden. In den Wassern die Nymphen/ Undinen, Melosinen und derselbigen Monstra oder Bastarten, Syrenen/die in den Wassern schwimmen. In der Erden die Gnomi, Lemures, oder Poltergeister/ Sylphes/ Montani und Zonneti – deren Monstra sind die Pygmäi oder Bergmännli (Zwerge, Anm. Autor) In der Luft die Umbratiles, Syluestres, Satyri, deren Monstra sind die Gangantes oder Riesen. In dem Feuer oder Firmament die VuIcanales, Pennates, Salamandrä, Superi, deren Monstra die Zundel.
Der Flagaru zugeschweigen/ deren Anzahl Theophrasti in viel tausenderlei Geschlecht als incorporische Seelen der großen Welt erstreckt

Gleicher Gestalt ist auch die Medizin-, viererlei /als zum Exempel des makrokosmischen Feuer, Luft, Wasser und erdmäßige Herz/dem Herzen des Menschen als der kleinen Welt in allem ähnlich : Sintemal in dem Menschen alles von des selbigen einzigen Wirkung herkommt/ welches auch von allen andern Gliedern des Leibes zu verstehen (ist). Dann es müssen die Glieder der kleinen Welt/ als des Sohns allezeit mit den viererlei Gliedmaßen der großen/als des Gebärers überein kommen: Und also wird sichs befinden / dass eine jede Krankheit und Medizin einerlei Physiognomie, Chiromantie und Anatomie sei.
Welcher diesen Verstand nicht hat, soll und kann billig für keinen approbierten Medicus gehalten werden.
Sintemal die himmlische Astronomie gleichsam der unteren Vater (es sind wohl die Ausbilder der Ärzte gemeint, Anm. Autor) und Lehrmeister ist/ unter welchen ein jedes sein besonderes Firmament/ seine sonderbare Sonne/ Mond/ Sterne und Planeten hat /jedoch also dass bei der Astronomie der obersten Dinge / bei der Chymologie aber der untersten Gelegenheit (bietet, das Gesuchte, Anm. Autor) zu finden.

Wer aus dieser schwarzen Philosophie, aus der Erleuchtung Gottes, den MENTEM erlangt/ und die Eigenschaften der Körper in dem oberen Globo wahrgenommen durch kunstreiche Analogie den Astris und Körpern des unteren Globi (Mensch, Anm. Autor) recht können accomodieren/ die werden selbst bekennen/ dass ihnen gar nicht vonnöten, der Philosophie halber nach Indien oder Amerka zu schiffen […], sondern alle Fragen in Kürze klären können.

[…] auch zukünftige unsichtbare Astra oder Gestirne der übrigen Elemente und deren Gesetz der Bewegungen sind erkennbar in dem oberen Globus

[…] und also ist der unsichtbare (innere, Anm. Autor) Mensch nicht nur alle Gestirne / sondern auch mit den Geist der Welt einerlei, gleich wie das Weiße im Schnee.«

Es wird weiterhin dargelegt, dass der Mensch mit seinem inneren Universum / Globo/ mit seinem Geist ebenso Einfluss hat auf das obere Universum. Also er ist nicht »beherrscht« von den äußeren Kräften und Bewegungen, sondern muss sich mit Beobachtung, Empathie, Erkenntnis und Weisheit mental damit in Übereinstimmung bringen bzw. eine individuelle Harmonie schaffen.
Es ist die Rede vom inneren Werkmeister, der dies bewirkt und in allem Existierendem vorhanden ist.

Quelle: Basilica chymica, oder Alchym. Königl. Kleynod – Oswald Croll, https://play.google.com/store/books/details/Oswald_Croll_Basilica_chymica?id=HTdBAAAAcAAJ) DRM-frei Link

Alchemie-Tractat Auszug von Oswald Croll als PDF