Ursprünge der Weihnacht

Was feiern wir eigentlich Weihnachten?

Das fragt man sich jedes Jahr wieder und wenn das Fest bzw. die Vorbereitungen in Megastress ausarten, umso mehr. Immerhin weiß man heutzutage noch, dass es ein Fest der Besinnung, Freude, Liebe, Hoffnung, des Beschenkens  und der geschmückten immergrünen Zweige ist. Die meisten halten es für ein rein christliches Fest, an dem die Geburt Jesu‘ gefeiert wird.

Woher kommen die heute noch an Weihnachten abgehaltenen Bräuche?

Bei meiner Recherche zum Buch durchforstete ich ja einige Ursprünge verschiedener Mythen, Rituale, Denkweisen, kulturellen Phänomene … und stieß natürlich auch öfter auf dieses Thema.

Tatsächlich liegen die Ursprünge der weihnachtlichen Bräuche sehr viel tiefer in unserer globalen Kulturgeschichte. Interessant ist, dass es bereits im alten Orient ähnliche Feste genau zur gleichen Zeit, also um die Wintersonnenwende am 20. / 21. Dezember gab, an denen die Geburt oder Ankunft eines Helden, Königs oder Heilsbringers gefeiert wurde.

Auch die heute noch bekannten Saturnalien gehören dazu. Weihnacht Ursprung Parallelen zu SaturnalienUnter Saturn als erstem König, der sowohl himmlisch als auch irdisch herrschen konnte, soll das goldene Zeitalter geblüht haben. Zu den Saturnalien wurden im alten Rom bzw. Latinum alle Standesschranken und sogar Verurteilungen aufgehoben. Ein rauschendes Fest der Freiheit mit gegenseitigem Beschenken und großen Gelagen wurde gefeiert, die Kerker standen ebenso offen wie reich gedeckten Tische der Herrschenden, die sogar ihre Dienerschaft selbst bedient haben sollen.

Geheimnisvoll ist auch der Kult um die römische, wahrscheinlich aber vorrömische Göttin  Vulpeia (auch Vulpea oder Volupia) respektive Angerona. Der Ursprung ist so alt, dass es heute keine Zuordnung mehr gibt. Unklar ist auch, ob Angerona und Volupia die gleiche göttliche Wesenheit verkörpern, wobei die Verschmelzung von göttlichen Wesenheiten im Laufe der Jahrhunderte öfter stattfand. Jedenfalls steht die Statue der Angerona im Tempel der Volupia im früher heiligsten und auch ältesten Bereich Roms.

Die Statue der Angerona / Vulpeia zeigt sie mit verbundenem oder fest verschlossenem Mund, einen Zeigefinger warnend davor gehalten. Sie gebietet also Schweigen. Einen mystischen Bezug gibt es zum geheimen Namen Roms, wie der römische Gelehrte und Historiker Plinius meinte. Der ursprüngliche Name war so streng gehütet, dass sein Verrat unter Todesstrafe stand und sogar vollstreckt worden sein soll (siehe hier).

Interessanterweise ist der Festtag der Vulpeia / Angerona die Wintersonnenwende. Verbunden wird damit die Wiederauferstehung des Lichts, also auch (Wieder-) Geburt, Fruchtbarkeit und spiritueller Siegeszug des Göttlichen bzw. Guten nach einer Zeit der Besinnung und Stille. Diese Interpretation wird in einigen alten Kulturen auf dem gesamten Erdball der Wintersonnenwende zugeschrieben. Die alten keltischen Bräuche zielen darauf ebenso wie die alten germanischen. Schon damals schmückten die Menschen ihre Wohn- und Kultstätten mit immergrünen Zweigen als Symbol der Fruchtbarkeit, Unsterblichkeit, Hoffnung, Leben … Es wurden Feuer entzündet und man feierte bzw. zelebrierte die Nacht bis zum Morgen als Ankunft und Sieg des Lichts.

So auch der so genannten Yalda-Nacht, welche im Persischen „Nacht der Geburt“ heißt und aus der zoroastrischen Zeit bekannt ist. Die gefeierte Geburt des göttlichen Mithra hatte allerdings noch frühere Wurzeln im mesopotamischen Kulturkreis. Es gibt viele frappierende Ähnlichkeiten zum christlichen Weihnachtsfest als Jesu‘ Geburt, denn Mithra gilt als Synonym für Licht, Liebe, Barmherzigkeit, Freundschaft, Freundlichkeit, Mitgefühl … alles was auch Jesus verkörpert. Außerdem ist das Symbol des persischen Mithra das gleichschenklige Kreuz!

Zur Feier kam man in den Familien, Häusern, Höfen zusammen und erzählte sich Geschichten, orakelte und beschenkte sich. Ziel ist, die dämonischen Mächte gemeinsam zu bezwingen bzw. sich zu schützen und das neue Licht zu begrüßen, wozu Feuer entfacht werden. Wir nehmen dazu heute Kerzen ; ) oder hängen LEDs auf.

Über die Zeit des Advents ist im Buch auch einiges zu lesen. Da ist Demeter auf der verzweifelten Suche nach ihrer von Hades entführten Tochter Kore / Persephone in Eleusis angekommen. Im Griechischen bedeutet Eleusis (Elefsi) soviel wie Ankunft und vermutlich geht der Name auf diesen Mythos zurück. Glücklicherweise kann Kore frei kommen, wird sozusagen aus der Unterwelt wieder geboren, und seither feierte man die mysteriösen Eleusien. Diese waren berühmt, begehrt, jeder wollte daran teilnehmen, nur wenige wurden zugelassen, denn die Voraussetzungen waren streng. Ein guter Lebenswandel ohne schlimme Taten und Verbrechen musste der Anwärter vorweisen, weshalb einige hochrangige Herrscher nicht zugelassen wurden, sowie Nero. Die Eleusien wurden zweimal im Jahr zelebriert, das Zweite, dass zu Beginn des Winters abgehalten wurde, war sehr geheim. Niemand dufte über die Rituale und Geschehnisse im Allerheiligsten sprechen, was wiederum an Angerona erinnert.

Vielleicht heißt es deshalb noch immer stille Nacht …

Freuen und fokussieren wir uns also auf das (spirituelle) Licht und eine besinnliche Weihnacht wünsche ich …

Weihnacht Ursprung